Ein Flugzeug
Ein Propeller

Blickfang – Der Agenturblog

Jeder kennt sie, aber wie kamen sie in die Welt?

Von der Antike bis in die Zwanzigerjahre reichen die Entstehungsgeschichten der 19 Redewendungen, die wir Ihnen heute präsentieren. Also fallen wir doch gleich mal mit der Tür ins Haus …

Alles in Butter

Die Bruchverluste waren enorm, wenn in der Renaissance sündhaft teure venezianische Gläser über die Alpen transportiert wurden, schließlich waren nur Lastkarren ohne jegliche Federung verfügbar und die Straßen in fürchterlichem Zustand. Der Legende nach löste ein pfiffiger Händler das Problem auf überraschende Weise. Er legte seine Gläser in Fässer und übergoss sie mit warmer, flüssiger Butter. Nachdem Abkühlen war die Butter fest und die Gläser gesichert. Die Erschütterungen auf dem Transport konnten den Preziosen nichts mehr anhaben, selbst den Sturz eines Fasses vom Wagen überlebte das empfindliche Gut angeblich unversehrt. Für den Händler war damit „alles in Butter“.

Die Arschkarte ziehen

Fußballschiedsrichter trugen früher die rote Karte in der Gesäßtasche die gelbe Karte jedoch in der Brusttasche. Griff der Referee also nach hinten und zog die „Arschkarte“, flog der Spieler vom Platz. Die Aufbewahrung der Karten in unterschiedlichen Taschen soll angeblich daher rühren, dass zu Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens die Farben nicht deutlich genug zu unterscheiden waren.

Das schlägt dem Fass den Boden aus

Seit 1516 galt in Bayern das Reinheitsgebot. Seine Durchsetzung wurde mit rigorosen Mitteln betrieben. Wurde in einer Brauerei Bier entdeckt, das mit unzulässigen Zutaten gebraut war, schlug man dem Fass den Boden aus und schaffe das unbotmäßige Gebräu aus der Welt.

 

Bierfass und voller Maßkrug

Dasselbe in Grün

1924 begann Opel als erster deutscher Autobauer mit der Serienfertigung von Fahrzeugen. Das erste Modell vom Fließband war der Opel 4 PS. Der Kleinwagen, der ausschließlich in grüner Farbe erhältlich war, bekam schnell den Spitznamen „Laubfrosch“. Eine weitere pikante Eigenschaft des Fahrzeugs bestand darin, dass es sich bis auf die Farbe um eine ziemlich dreiste Kopie des drei Jahre zuvor eingeführten Citroën „CV 5“ handelte, der nur in Zitronengelb lieferbar war. Der Laubfrosch war somit „dasselbe (Auto) in Grün“.

Den Nagel auf den Kopf treffen

Die Redewendung stammt aus der frühen Zeit des Bogenschießsport. Damals wurde in der Mitte der Zielscheibe ein Nagel befestigt. Traf ein Pfeil auf diesen Nagel und prallte von der Zielscheibe ab, so hatte der Schütze genau in die Mitte und den „Nagel auf den Kopf getroffen“.

Das ist keinen Pfifferling wert

Wie die Zeiten sich ändern: im 16. Jahrhundert waren Pfifferlinge eine der häufigsten Pilzsorten – weit verbreitet und nicht besonders wertvoll. Daher die Redewendung für etwas, das gleichfalls nicht besonders wertvoll erscheint.

 

Pfifferlinge, Zwiebenln und Kräuter in einer Pfanne

Aller guten Dinge sind drei …

Im Mittelalter wurden üblicherweise drei Ratsversammlungen pro Jahr abgehalten, sie dienten dabei auch gleichzeitig der Gerichtsbarkeit. Ein Angeklagter hatte damals drei Chancen sich auf einer solchen Versammlung seinen Richtern zu stellen. Ließ er diese verstreichen, wurde über ihn bei der dritten Versammlung in Abwesenheit geurteilt. Die altgermanische Bezeichnung für eine solche Ratsversammlung lautete „Thing“, die ursprüngliche Redewendung „Aller guten Thinge sind drei“.

Ach du lieber Herr Gesangsverein

In den zehn Geboten lesen wir „Du sollst den Namen Gottes, Deines Herrn, nicht unnütz brauchen.“ (2. Buch Mose, Kapitel 20). Der Ausruf „Ach du lieber Herrgott“ verstößt natürlich gegen dieses Gebot. Um die Gotteslästerung zu vermeiden, entstand im 19. Jahrhundert die Redewendung „Ach du lieber Herr Gesangsverein“, in dem das Wort „Gott“ einfach durch ein anderes Wort ersetzt wurde. Gesangsvereine waren zu dieser Zeit sehr in Mode gekommen und wurden somit zum beliebten „Ersatzkandidaten“.

Am seidenen Faden hängen

Bereits aus der Antike stammt diese Redewendung und handelt vom griechischen Höfling Damokles. Manch einer von Ihnen ahnt vermutlich schon, worum es geht. Damokles schmeichelte seinem Herrn den Tyrannen Dionys mit den Worten, dieser sei sicherlich der glücklichste Mensch auf Erden. Um seinem Höfling eine Lehre zu erteilen, bot er diesem an, den königlichen Platz an der Tafel einzunehmen. Zuvor hatte Dionys jedoch ein Schwert an einem dünnen seidenen Faden über dem Ehrenplatz aufhängen lassen. Damit sollte dem Höfling demonstriert werden, mit welchen Gefahren die Position des Herrschers verbunden ist. Als Damokles während des Mahls das Schwert entdeckte, verging ihm vor Angst der Appetit und er räumte den Ehrenplatz umgehend.

 Auf dem Kerbholz haben

Auch in früheren Jahrhunderten war es bereits gebräuchlich, Waren auf Kredit zu kaufen. Der Vorläufer der Kreditkarte war dabei bis ins 18. Jahrhundert das sogenannte Kerbholz. Dabei handelte es sich um einen Holzstab, der in der Mitte gespalten war. Die Anzahl der Kerben entsprach der Höhe der Kreditsumme, die in beide Hälften geritzt wurden. Eine Hälfte verblieb beim Verkäufer, die andere bekam der Käufer. Beide wussten so welchen Betrag der Käufer noch „auf dem Kerbholz“ hatte.

Auf den Nägeln brennen

Die Frühmesse in den Klöstern früherer Jahrhunderte fand meist schon vor Sonnenaufgang statt. Um in den dunklen Kapellen besser lesen zu können, klebten sich die Mönche kleine Wachskerzen auf die Daumennägel. Dauerte die Andacht länger, mussten die Mönche natürlich fürchten, dass Ihnen die Flamme die Daumen ansengte und so brannte Ihnen die Zeit sprichwörtlich auf den Nägeln.

Aus dem Stegreif

„Stegreif“ war in früheren Zeiten die Bezeichnung für Steigbügel. War jemand in der Lage etwas „aus dem Stegreif“ zu tun, bedeute dies im übertragenen Sinne, dass er dafür noch nicht einmal vom Pferd steigen musste.

Das geht auf keine Kuhhaut

Diese Redewendung geht auf mittelalterliche Glaubensvorstellungen zurück. Sie besagten, dass der Teufel eine Liste mit den Verfehlungen jedes Menschen besäße. Diese Listen wurden auf Pergamenten notiert, die häufig aus Kuhhäuten gefertigt wurden. Ein Sündenregister, das nicht einmal mehr auf eine Kuhhaut passte, ließ auf eine besonders große Zahl an Verfehlungen schließen.

Das Gras wachsen hören

In der „Edda“ einer skandinavischen Sammlung von Götter- und Heldensagen aus dem 13. Jahrhundert wird von Heimdall, dem Wächter der Götter, berichtet, er habe ein derart gutes Gehör, dass er das „Gras auf der Erde und die Wolle auf den Schafen wachsen höre“.

Das kommt mir spanisch vor

1519: der spanische König Karl der Fünfte wird auch zum deutschen Kaiser gekrönt. Er führt etliche spanische Sitten am deutschen Kaiserhof ein, unter anderem erklärt er Spanisch zur neuen Verkehrssprache. Die neuen Regeln und Gebräuche waren für viele Untertanen des Kaisers ungewohnt und kamen ihnen „spanisch“ vor. In Spanien gibt es ein Gegenstück zu dieser Redewendung: »esto me suena a chino«, zu deutsch: „das kommt mir chinesisch vor“.

Dem Affen Zucker geben

Die Leierkastenmänner, die in früheren Zeiten durch die Stadt zogen, hatten häufig auch ein kleines Äffchen bei sich, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Um die Tiere bei Laune zu halten, gaben sie ihnen von Zeit zu Zeit ein Stückchen Zucker.

Der wahre Jakob

Die Legende sagt, der Apostel Jakobus sei in Santiago de Compostela in Nordspanien begraben. Weil eine so prominente Reliquie viele Pilger anzieht, die ihr Geld in der Stadt ausgeben, behaupteten jedoch auch etliche andere Städte der Apostel sei in einer Ihrer Kirchen zur Ruhe gebettet. Für die Einwohner von Santiago de Compostela war jedoch klar, dort liegt nicht „der wahre Jakob“.

Durch die Lappen gehen

Bei Treibjagden versuchten die Jäger früher die Fluchtwege des Wildes durch das Aufhängen von Stofflappen einzuschränken. Schlüpfte ein Tier jedoch trotzdem zwischen den Lappen hindurch so war es den Jägern sprichwörtlich „durch die Lappen gegangen“.

Ein Brett vor dem Kopf haben

Um Ochsen als Arbeitstiere einzusetzen, mussten die Bauern den Tieren ein Geschirr um den Kopf hängen. Dabei kam es häufig vor, dass sich die Tiere erschreckten und die Flucht ergriffen. Um dies zu verhindern, befestigten die Bauern ein Brett vor den Augen der Tiere.

 

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